Rechtliche Möglichkeiten

Viele Frauen stehen nach einer Vergewaltigung / sexuellen Nötigung vor der Frage, ob sie den Täter anzeigen sollen. Eine Strafanzeige ist eine Möglichkeit, öffentlich zu machen, dass ein Verbrechen begangen wurde und den Täter hierfür zur Verantwortung zu ziehen.

Sie entscheiden, ob Sie eine Anzeige machen wollen oder nicht!

Rechtlich dazu verpflichtet sind Sie nicht. Nachfolgend haben wir die wichtigsten Informationen für Sie zusammengefasst.

 

Die Strafanzeige

Ob es sinnvoll ist, eine Anzeige zu erstatten, sollte gut und in Ruhe überlegt werden. Nehmen Sie sich die Zeit die Sie brauchen; Sie müssen diese Entscheidung nicht alleine treffen. Sie können sich professionelle Hilfe und Rat von einer Rechtsanwält*in oder Mitarbeiterin einer Frauenberatungsstelle einholen.

Einmal gestellt, kann eine Anzeige bei Sexualstraftaten nicht zurückgezogen werden. Denn mit der Erstattung einer Anzeige leitet die Strafverfolgungsbehörde ein Ermittlungsverfahren ein.

Bei Sexualstraftaten gibt es unterschiedliche Strafmaße mit verschiedenen Verjährungsfristen. In dem Gespräch mit der Rechtsanwält*in kann abgeklärt werden, wie der sexuelle Übergriff strafrechtlich zu bewerten ist, und dabei können auch Fragen zum Verlauf des Strafverfahrens oder zu Verjährungsfristen besprochen werden. Die Rechtsanwält*in ist zur anwaltlichen Verschwiegenheit verpflichtet. Um eine kostenfreie Rechtsberatung in Anspruch zu nehmen, gibt es die Möglichkeit, beim Amtsgericht Dortmund einen Beratungshilfeberechtigungsschein oder über den Weißen Ring einen Beratungsscheck zu erhalten.

Für eine Anzeige spricht z. B.:

Es wird öffentlich gemacht, dass eine Straftat begangen wurde.

Wenn es zu einer Verurteilung des Täters kommt, wird das begangene Unrecht bestraft. Das hat auch ein gesellschaftliches Signal.

Sie wehren sich auf diese Weise gegen die erfahrene Gewalt, was ein wichtiger Schritt im Verarbeitungsprozess sein kann.

Gegen eine Anzeige spricht z. B.:

Eine Anzeige und ein Gerichtsprozess sind häufig mit großen psychischen Belastungen verbunden. Sie sind grundsätzlich dazu verpflichtet, bei der Polizei genaue Angaben zum Tatverlauf zu machen. Im weiteren Verlauf des Strafverfahrens – insbesondere in der gerichtlichen Hauptverhandlung – müssen die Angaben ggfs. mehrfach wiederholt werden.

Ein möglicher Freispruch des Täters kann zu einer psychischen Mehrbelastung führen.

Eine Anzeige ist nicht immer sinnvoll und notwendig, um das Erlebte zu verarbeiten.

Wenn Sie noch Zeit für die Entscheidung brauchen, eine Anzeige zu erstatten oder nicht, dann halten Sie in jedem Fall möglichst unmittelbar nach der Tat Ihre Erinnerungen schriftlich fest (Gedächtnisprotokoll). Das kann für eine spätere Anzeige nützlich sein. Sie sollten daher versuchen, die Ereignisse so detailliert und umfassend wie möglich mit Ihren eigenen Worten aufzuschreiben.

 

Wo kann ich eine Anzeige erstatten?

Grundsätzlich kann eine Anzeige zu jeder Zeit bei jeder Dienststelle der Polizei erstattet werden. Sie haben jedoch auch die Möglichkeit, einen Termin beim zuständigen  Fachkommissariat zu vereinbaren. Dies ist in Dortmund das Kriminalkommissariat 12 (KK 12, Telefon: 0231 132 - 0).

Im KK 12 arbeiten speziell fortgebildete Kriminalbeamt*innen. Auf Wunsch findet die Anzeigenerstattung durch weibliche Kriminalbeamtinnen statt.

Sie können zur Anzeigenerstattung / Vernehmung eine Begleitperson mitnehmen. Wenn Sie während der Vernehmung eine Pause brauchen, dürfen Sie um eine Unterbrechung bitten oder um eine Fortsetzung an einem anderen Tag.

 

Recht auf Nebenklage

Bereits nach der Anzeigenerstattung besteht die Möglichkeit, auf Antrag kostenfrei eine Opferanwält*in beigeordnet zu bekommen. Diese hat ein Akteneinsichts- und Befragungsrecht. Sobald die Staatsanwaltschaft eine Anklage erhoben hat und das Verfahren an das zuständige Gericht abgegeben worden ist, können Sie sich dem Strafverfahren als „Nebenklägerin“ anschließen. Auch hier besteht die Möglichkeit der Beiordnung einer Opferanwält*in.

In der gerichtlichen Hauptverhandlung hat die beigeordnete Opferanwält*in – genau wie die Verteidiger*in und Staatsanwält*in – ein Ablehnungs-, Frage- und Beweisantragsrecht. Die Opferanwält*in kann am Ende der Beweisaufnahme ein Plädoyer halten und dadurch zu einer angemessenen Verurteilung beitragen.

Wenn Sie sich dem Verfahren als Nebenklägerin anschließen wollen, können Sie im Strafprozess eine aktive Rolle einnehmen, während sie sonst in der eher passiven Funktion als Zeugin keinen Einfl uss auf das Verfahren nehmen können.

Nähere Informationen zur Möglichkeit der Nebenklage erfahren Sie in Ihrer Anwaltskanzlei.

 

Psychosoziale Prozessbegleitung

Sie haben die Möglichkeit, zu jedem Zeitpunkt des Ermittlungs- und Strafverfahrens eine Zeugenbegleitung, die sogenannte psychosoziale Prozessbegleitung, in Anspruch zu nehmen. Psychosoziale Prozessbegleiter*innen sind  Personen, die Ihnen als Betroffener einer Straftat professionelle Betreuung, Unterstützung und Informationen anbieten. Das kann hilfreich sein, wenn Sie sich mit polizeilichen Ermittlungen und der Justizbehörde nicht auskennen.

Die Prozessbegleitung wird von erfahrenen  Sozialpäda go g*innen durchgeführt und ist freiwillig.

Während des gesamten Ermittlungs- und Strafverfahrens ist die psychosoziale Prozessbegleiter*in Ihre Ansprechpartner*in, mit dem Ziel, Belastungen zu reduzieren und Sie zu stabilisieren. Er/Sie kann Sie beispielsweise zu Vernehmungen begleiten und während der Hauptverhandlung anwesend sein oder während Wartezeiten bei Gericht betreuen. Die psychosoziale Prozessbegleitung übernimmt keine rechtliche oder therapeutische Beratung. Sie führt mit Ihnen auch keine Gespräche über den Tathergang.

Die Kosten einer psychosozialen Prozessbegleiter*in müssen selbst getragen werden, in besonderen Fällen besteht ein Anspruch auf Beiordnung, dann werden die Kosten von der Staatskasse übernommen.

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